Filmkritik: Saw V
Allgemeiner Hinweis: Lies diesen Text nicht, wenn du den Film noch gesehen hast, es aber tun möchtest. Im Text können Hinweise zur Story vorhanden sein, welche dir die Vorfreude auf den Film vermiesen können, wenn du schon vorher davon weisst.
Wenn man sich einen Roman vorstellt, welcher – sagen wir mal – etwa 180 Seiten stark ist, dann ist Saw V etwa der Teil zwischen Seite 102 und 140. Auf gut Deutsch bedeutet das, dass der Film nur dann richtig funktioniert, wenn man die Geschichte kennt. Man kann Saw V sicher nicht verstehen (oder man tut ihn als billigen Trash ab), wenn man die Story der Personen aus Teil 2 bis 4 nicht inne hat. Es ist erschreckend entspannend, wenn man sich selbst dabei ertappt, wie man gleichermaßen fasziniert und geekelt von den Vorkommnissen auf der Leinwand ist (ich habe eine englischsprachige Sneak-Preview gesehen).
Persönlich möchte ich dem Produktionsteam keinen Gefallen tun und dem Film eine übertrieben positive Wertung geben. Gleichsam möchte ich dem Ganzen nicht Absprechen, dass es unterhaltsam und abstoßend (nicht abwertend gemeint) zugleich ist.
Der Film hat Storytiefe, aber nur in soweit, dass einem mehr und mehr bewußt wird, wie verzwickt und konzeptioniert das Leben des Hauptakteurs ist. Ich habe mich kurz ertappt, Mitleid zu haben, ob all der verstörten Gedanken eines alten gebrochenen Mannes. Direkt folgend habe ich festgestellt, wie gut die Autoren ihr Werk tun, und es mit jedem neuen Teil der Serie schaffen, den Zuseher bei Laune – und bei der Stange – zu halten.
Wie gesagt, losgelöst von den letzten vier Jahren “Saw-History” funktioniert der fünfte Teil auf gar keinen Fall. Ist man sich aber gedanklich bewusst, in welchen Ebenen man wandelt, so hat man durchaus makaberen Spaß an dem blutroten Treiben. Leider ist man sich in jeder Sekunde darüber im Klaren, dass die Art, auf welche die Gesamtgeschichte erzählt und vorangetrieben wird, so in Szene gesetzt ist, dass es unendlich weitergehen könnte.
Saw V schließt ebenso wie die beiden Vorgänger aus, dass es bald ein Ende geben wird. Man könnte, mit jetzigem Stand und mit jetzigem Ablauf der Filme, noch ein Dutzend Fortsetzungen bringen. Aus kommerzieller Sicht ist den Machern zu gratulieren, aus Sicht des Zuschauers sicherlich auch, aber aus Sicht von Tiefe, Geschichtenerzählerei und Phantasie bleibt eigentlich nichts mehr offen. Alles war schon da, egal wie viel Gespräche geführt werden, das Wichtigste ist, dass Blut fließt. Das interessanteste an Saw bleiben die neuen “Fallen”.
Man rechnet als Zuschauer nicht mehr mit einem Ende der Geschichte, sondern geht mit dem Gedanken Film schauen, dass es in zwölf Monaten den nächsten Teil geben wird.
Losgelöst von dem gesamten Franchise “Saw” sind nur Teil 1 und 2 positiv zu loben, der Rest ist Schema F, wenn auch fesselnd.
Fazit: Auch Teil 5 ist nichts für schwache Nerven (ich habe die Uncut-Version gesehen). Wer Fan der Serie ist, wird seine Freude haben. Alles in allem macht Saw 5 Spaß, aber eben nur unter obigen Gesichtspunkten. Ach ja, tiefgründige und tiefsinnige Dialoge gibt es im gesamten Film nicht, schauspielerisch sticht keiner der Akteure wirklich heraus, alles lebt vom nächsten Überlebenskampf.
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