Von Mafiamethoden, Domaingrabbern und kaltem Kaffee

domaingrabber-mafiamethoden-kalter-kaffeeEs ist wie es ist. Die Ernüchterung kehrt langsam ein, die verzweifelten Gesichter werden aber vorerst bleiben. Im Beitrag “Die Domainmafia und die neuen 2-Zeichen-Domains in Deutschland” habe ich ja schon die Situation rund um die Vergabemethode der neuen ein- und zwei-zeichigen Domains (+ Zahlendomains) dargestellt.

Das was eigentlich verhindert werden sollte, nämlich das sich ein Hand voll Domaingrabber zum Teil brisante Adressen unter den virtuellen Nagel reißen, ist passiert. Wie genau das Glück – heute Morgen um 9 Uhr zum Start der Registrierung – eine Rolle gespielt hat, oder in wie weit finanzielle Interessen vor allgemeine Gleichberechtigung gestellt wurde, bleibt dahingestellt. Es darf sich gerne jeder selbst eine Meinung bilden.

Ein Beispiel von vielen ist z. B. dieses:

domaingrabber

Aus Gründen des Datenschutzes habe ich die Daten verfremdet, es handelt sich bei der Domain aber um eine bekannte Ziffernfolge. Die erfolgreiche Registrierung dieser Adresse – und noch einer großen Anzahl weiterer – die diesem Unternehmen durch “göttliche Fügung” gelungen zu sein scheint, ist durchaus beachtenswert. Offenbar war man davon selbst so überrascht, dass man umgehend die gesamte Palette der Domains zum Verkauf freigab, und diese Verkaufsgebaren sogar im Bemerkungsfeld, direkt auf der DENIC-Seite platzierte. Werbung at its best, da die WHOIS-Abfrage in diesen Stunden und den kommenden Tagen sicher mehr als häufig aufgerufen wird.

Glückwunsch an alle Erdenker und Drahtzieher der Entscheidung, Kurzdomains möglich zu machen. Die letzten 20 Jahre mit drei-zeichigen Domains waren toll, und es war irgendwie auch ein gutes Gefühl, nicht wie alle anderen zu sein, hier unter .de, sondern konsequent gegen den unnötigen Kurzdomainwahn anzustehen. Eigentlich waren es ja technische Einschränkungen, die eine Registrierung dieser Adressen unmöglich machten. Dass dies nun ausgrechnet in einer Zeit, in der Verkäufe von DSL-Anschlüssen, Hostingpaketen und Domains stagnieren und die Preise im Keller sind, ausgehebelt wird, ist daher nicht überraschend. Es ist natürlich legitim, eine Branche zu beleben, die unter wirtschaftlichem Druck steht. (Anmerkung des Autors: Um die Aussage zu verstehen, ist es von Vorteil, zu wissen, aus welchen Mitgliedern sich die DENIC zusammensetzt).

Wo neuerdings im Bekleidungsfachhandel von “AbJackPrämie” gesprochen wird und die Autoindustrie ihre eigenen Fehler per Schadensbegrenzung mit Steuergeldern bezahlt bekommt, darf man heute auch mal fluchs vom Konjunkturpaket für Domaingrabber sprechen. Ist ja alles nur Spaß.

Die Musikindustrie und die Filmindustrie sind ja schon länger der Buhmann, aber dass man ausgerechnet die Domainbranche nicht auf dem gleichen Zettel hatte, darüber rauchen sogar heute in den Abendstunden noch einige Köpfe, die ihren kalten Kaffee schlürfend eigentlich längst ins verdiente Wochenende wollten.


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2 Responses to “Von Mafiamethoden, Domaingrabbern und kaltem Kaffee”

  1. JUICEDaniel Says:

    Traurig aber wahr. Schön geschrieben, danke!

  2. Vb.com Says:

    In der VB.com Internet Hall of Fame
    sind nur kurze Domains die ihre “Fame” Position verdient haben, da sie Jahre vor Verbreitung der Internets für wenige Dollar registiert wurden … und daraus weltberühmte Marken entstanden sind.

    Die Vergabemethoden der Denic waren sehr merkwürdig und das ist nicht gut für die
    kurzen .de Domains

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