Filmkritik: Inception
Sonntag, August 1st, 2010Allgemeiner Hinweis: Lies diesen Text nicht, wenn du den Film noch gesehen hast, es aber tun möchtest. Im Text können Hinweise zur Story vorhanden sein, welche dir die Vorfreude auf den Film vermiesen können, wenn du schon vorher davon weisst.
Wenn Filme wochen- und monatelang vor Start durch die Medien geistern, muss man zwangsläufig davon ausgehen, dass sie nur in seltenen Fällen halten, was sie versprechen. Inception hält nicht, was der Medienrummel versprochen hat und positioniert sich damit neben aktuelle Nullnummern wie 2012 oder Avatar.
Die Idee, eine Technologie zu besitzen, welche ermöglicht, in eigenen oder fremden Träumen aktiv auf das Geschehen einzuwirken, ist nicht neu. Einen Film, in dem all dies Realität ist, hat bisher zwar noch keiner gemacht, aber der erste dieser Sorte hat das Potential des Themas unschön verschossen.
Die meiste Zeit, der rund zweieinhalb Stunden, besteht aus flachen Dialogen, die sich nahezu ausschließlich um den Hauptdarsteller Cobb (Leonardo DiCaprio) drehen, der nicht über den Tod seiner Frau hinwegkommt, den er selbst verursacht hat. Seine Geschichte ist belanglos eingebunden, aber ständig präsent. Viel präsenter als die eigentliche Story des Films, und der Grund, warum der Zuschauer überhaupt von der Möglichkeit der Traumbeinflussung erfährt. Es geht um Industriespionage, genauer um das Ausschalten eines Konkurrenten.
Wieso dieser Teil soweit in den Hintergrund rückt, und am Ende noch nicht einmal eine Auflösung erfährt, bleibt genauso fraglich wie der Umstand, warum “die Bösen” beim Schießen mit ihren Waffen niemals ihre Ziele treffen, obwohl sie z. T. nur 2 Meter entfernt sind. Die schlecht eingebaute Action ist höchstens Lückenfüller und Verschnaufpause, vor dem nächsten belanglosen Gesprächsfetzen.
Die Autoren haben die Idee, durch Träume das Unterbewußtsein von Menschen verändern zu können, gut überlegt, aber stümperhaft umgesetzt. Es geht nur um die seelischen Probleme des Hauptdarstellers, es gibt keinerlei moralische Bedenken gegenüber den Dingen, die gemacht werden. Es wird mehrfach davon geredet, dass in Träumen Dinge möglich sind, die Naturgesetze völlig außen vor lassen, zu sehen bekommt man davon nichts, obwohl technisch heute alles möglich ist. Das nichts gezeigt wird, ist nicht schlimm, aber dass auch die Phantasie des Betrachters niemals angeregt wird, macht die Zeit im Kinosessel unerträglich. Im Trailer zum Film gibt es eine Szene in einer Stadt, deren Boden sich um 90 Grad in die Luft hebt, genau diese Szene bleibt das einzige im Film, was die Bezeichnung “Phantasie” verträgt.
Die eigentlichen Traumszenen sind nichts weiter als simples Filmgeplänkel aus Autofahrten, Schießereien und den erwähnten, langweiligen Dialogen. Christopher Nolan wäre gut beraten gewesen, Co-Autoren ins Boot zu holen, dann wäre aus der Idee vielleicht ein guter Film geworden. Doch nun bleibt Inception nur einer von Herrn Nolans üblichen, belanglosen Werken. Einzig im Jahr 2000 hat er mit “Memento” bewiesen, dass er ein Stück über den Durchschnitt abliefern kann, der Rest ist staubig.
Bewertung:
Die Bewertung von 2/10 Punkten ist Inception nur der Idee zu verdanken, das Thema Traumbeeinflussung in einem Film zu behandeln. Szenenaufbau, schauspielerische Leistung, Dialoge, Musik, Schnitt/Farben sind im Zusammenspiel unterdurchschnittlich und ohne jede Innovation.
Wertung: 2/10