8 Jahre (Der Weg zum ersten Buch)

In acht Jahren

Am Anfang stand Stille. Das Wort Stille. Genau gesagt begann im Sommer 1997 all’ das was heute schwarz auf weiß zu Lesen ist. Mitten in der Nacht, während eines Gespräches mit Judith, verfiel ich in die sentimentale Lage, meine Worte in lyrischer Form in den Raum zu werfen. Ohne darüber nach zu denken lief der Faden immer weiter und weiter, bis nach ein paar Minuten ein erstes Gedicht dabei heraus gekommen war. Judith fand es prima und ehrlich, ich wußte nicht was es war und warum es passiert ist.

Im Laufe der nächsten Tage, Aufzeichnungen gab es zunächst keine, versuchte ich mich zu erinnern und schrieb das ganze Stück – in ähnlicher Form – auf ein Blatt. Damit war der sprichwörtliche Grundstein gelegt und die Worte für immer lesbar.

Es begann unheimlichen Spaß zu machen, am Ende eines Tages, sehr oft auch einfach mittendrin, Dinge die gerade passierten, auf zu schreiben. Dabei immer mit Bedacht, anonym zu bleiben, keine Namen, Orte oder dergleichen zu benutzen und nicht zu abgehoben zu klingen. Vor allem lag und liegt es mir völlig fremd, irgend etwas auf einander zu Reimen. Ich bin kein Dichter, ich will kein Dichter sein und werde es nie. Ich genieße einfach die Situation und Chance mit Worten zu spielen und Alltägliches zu dokumentieren.

Der Begriff Autor ist vollkommen unwichtig und diesen nun abgegriffen zu haben und zu tragen macht etwas Angst. Aber auch stolz. Dieses Buch ist das erste, wirklich unvergängliche, Ding im Leben, was mir entsprungen ist. Sicher gab es davor viele Sachen die man mit mir verband, aber wirklich Greifbares ist eigentlich nicht dabei gewesen.

Nach dem Jahreswechsel 1997/1998 begann das immer aktivere Schreiben. Judith stand hinter meinen Worten, war ein Halt für mich, sich selbst aber nicht zu Schade, auch Kritik zu üben.

Tanja landete. Erst schemenhaft, dann immer deutlicher wurde ihre Erscheinung. Eine Freundschaft für die Ewigkeit, die helfende und schützende Hand.

Richtig regelmäßig zu Schreiben begann ich aber erst, als Nicole in mein Leben getreten ist. Es verging keine Woche, in der nicht irgend etwas aus unserem Zusammensein Thema war. Erstaunlicherweise nahmen schlechte Gefühle in den Worten immer mehr Oberhand, es entstanden so gut wie nur traurige, meist berührende oder von Enttäuschung geprägte Gedichte. Wenn ich glücklich war oder lachte schrieb ich nichts.

Erschütternde Erlebnisse hinterliesen ihre Spuren. Im Januar 1998 die traurige Geschichte von Carla. Im März Jana. Es ging Schlag auf Schlag und immer schwärzer wurde mein Gemüt. Oft wollte ich nicht mehr, wollte einfach Ausbrechen, doch der immer währende Glaube an eine bessere Zeit hielt mich in der Bahn.

Götz, mein bester Freund, auch er verschwand. Erst spät habe ich es realisiert und begriffen, verarbeitet.

In schweren Zeiten entstanden schwere und traurige Worte. Erleichtert erst im Frühling (1998) durch Sonne und Akzeptanz. Neuer Lebensmut aus Liebe. Neue Aufgaben, Umbruch – das Ende der Schule. Endlich ins Leben und nicht nur so tun. Rückschläge nicht nur gesagt bekommen sondern selbst spüren. Es war oft ungerecht aber doch schön. Hin und wieder erwischte ich mich dabei, glücklich zu sein über schmerzhafte Erlebnisse. Einzig aus dem Grund weil ich mich darüber freute, am Abend über die Dinge schreiben zu können. Sehr viele negative Sachen habe ich wahrscheinlich selbst verursacht, nur um in sie zu schlittern und sie danach zu dokumentieren.

Handfest

Praktisch gesehen enstanden nach und nach immer mehr handschriftliche und digitale Aufzeichnungen. Der nächste logische Schritt war es, eine Sammlung zu formen und die Dinge in “Schubladen” zu packen. Schubladen in Form von betitelten Kapiteln. Zu Beginn mehr ungeordnet als thematisch.

Als Sammlung entstand die Internetseite “wahrnehmungen.de”, die es gewollter Maßen nie zu Bekanntheit geschafft hat. Sie war da, wurde aber über Jahre nie besprochen, angekündigt, gezeigt oder dergleichen. In den fünf bis sechs Jahren ihrer Existenz (aus heutiger Sicht, November 2005) gab es gerade eine Hand voll Menschen denen ich davon erzählt habe. Meist waren es die Liebsten, die denen man Trauen konnte.

Keine der Internet-Suchmaschinen hat die Seite in all’ den Jahren in den Index aufgenommen, so sollte es zwar sein, erstaunlich – dass es tatsächlich so kam – ist es trotzdem.

Realisieren

Keine Ahnung ob es wahr war, aber die geschriebenen Sachen kamen gut an. Es war Ansporn immer weiter zu machen. Hoffentlich habt ihr mich damals nicht belogen. Selbst bin ich nicht kritisch genug zu verstehen ob meine Worte schön oder Schund sind.

Im Laufe der Jahre wurde immer öfter dieses strikte konzeptionelle Schreiben Wirklichkeit. Es kristalisierte sich immer mehr ein Schema heraus. Alles was entstand musste in ein vorher bestimmtes Kapitel. So gut wie immer stand dessen Name zu erst. Der Inhalt folgte Schritt für Schritt.

Erwähnenswert finde ich, dass es nie der Prozess eines kontinuierlichen Schreibens war. Sehr häufig waren Pausen von drei bis vier Monaten keine Seltenheit. Dadurch dass sich alles was ich je geschrieben habe um Menschen in meiner Umgebung dreht, waren die Pausen kein Hindernis. Ich lernte jemanden kennen, verbrachte Zeit mit ihm, mit ihr, und lebte mein Leben. Im Kopf, unbewusst, entstanden immer wieder lyrische Brocken, die dann meist alle auf einmal in einem eigenen Kapitel verarbeitet wurden.

So lang wie die gedanklichen Entwicklungsphasen des Inhaltes oft waren, so kurz war die Zeit in der die Niederschrift des Ganzes entstand. Nur sehr selten lagen mehrere Tage zwischen Beginn und Fertigstellung eines Kapitels.

Hauptthema war immer das Leben, vor allem immer die Liebe. Es klingt langweilig, plump und absolut klischeehaft aber es ist die Wahrheit. Ich bin unfähig große Geschichten zu entwickeln in denen es hunderte von Handlungssträngen gibt, viele Personen und Charakter, viele Schauplätze. Lieber genieße ich es, frei weg zu Schreiben, nicht reimen zu müssen, einfach zu Kritzeln was der Kopf gerade hergibt.

Es mag keine Vorbildfunktion haben, aber Alkohol war oft Muße. Er machte mich mehr als einmal sentimental. Er hat mich mehr als einmal dazu gebracht völlig aus mir zu gehen und Innerste Gefühle schriftlich preis zu geben. Am Morgen danach war oft ein Gefühl von Glücklichkeit über die entstandenen Worte vorhanden. Randnotiert muss hinzugefügt werden, dass es durchaus Gedichte gibt, an deren Entstehung ich mich nicht erinnere, wohl aber an die Geschichte die den Inhalt geprägt hat.

Wie es sein sollte

Liebes Tagebuch. Derartige Sätze sind nie gefallen. Vielleicht ist das was in den letzten acht Jahren entstanden ist, nicht viel mehr als ein Tagebuch. Geschichten von Kantinenessen oder der Kleinen an der Bushaltestelle, die mir zu zwinkerte, sind dabei nie entstanden. Ein Stück weit habe ich mich immer bemüht einen Stil zu waren. Nicht dass über Kantinenessen zu Schreiben nicht durchaus Stil haben kann, aber es ist doch eigentlich nicht das, was Poesie ausmacht.

Der Verlust von lieben Menschen, von Freunden, Freundinnen, Neidern und Feinden, Streit und Prügel sind ein viel schöneres Thema. Vorallem dann, wenn man sich bewußt macht, dass man nur einmal lebt. Wenn man sich bewußt macht, dass das Leben nicht Sonnenschein ist, sondern hart und ungerecht. Ich liebe den Schmerz! Liebe ihn wirklich und bin glücklich alle Sinne zu haben und ihn mit jeder Ader pur erfahren zu können.

Zu erfahren wie ihr alle denkt, die die jetzt im Dezember 2005 dieses Buch in der Hand halten, wird ein wirklich großer Abschnitt, eine große Erfahrung. In den langen Jahren des Schreibens gab es nur eine Zahl von nicht einmal zwei Hand voll Menschen, die überhaupt davon wussten.

Die Idee das Ganze in Buchform zu bringen entstand recht kurzfristig, im Bezug zum Erscheinungsdatum. Die Idee kam im Winter 2004, die erste Ankündigung am 25.12.2004. Einen Tag nach Weihnachten erntete meine Familie die unerklärt gelassenene Geschichte “ich weiß was ihr nächstes Jahr – 2005 – zu Weihnachten bekommt”. Vollkommen unglaubwürdig und unter ungläubigen Blicken ging ich lachend aus dem Raum. Seit diesem Tag aber formte sich das Ganze in meinem Kopf. Die Entwicklung im Laufe des Jahres 2005 gibt es in kleinen Abschnitten auf dieser Internetseite nachzulesen. Ganz oben gibt es einen Knopf mit der Bezeichnung “News”. Dort steht alles.

Dann plötzlich

Der Prozess des Schreibens war im Mai 2005 abgeschlossen. Schon vorher begann die Arbeit am Setzen des Manuskriptes. Zuvor nie gekannte Probleme brachten viele Nächte ohne Schlaf.

Es ist mehr Arbeit ein Buch in Form zu bringen als ein Buch zu schreiben. Diese Aussage kann ich untermauern. Sehr wahr. Und was für ein Drama es sein kann, ein Cover zu finden. Welche Zweifel man wochen- ja monatelang hegt, nicht doch irgend etwas vergessen zu haben, irgend etwas falsch gemacht zu haben. Es ist eine harte und intensive Zeit gewesen. Aber eine schöne. Unter Druck von sich selbst zu arbeiten hat einen gewissen Reiz.

Im Frühjahr setzte ich den Abgabetermin des fertigen Manuskriptes auf den 3. Oktober 2005. Es schien alles nach Plan zu laufen, doch hat oft der “Oktober ist noch so lange hin”-Schweinehund mehr Produktives verhindert als dafür gesorgt dass wichtige Arbeiten gemacht wurden.

Als Ergebnis saß ich quer durch die Nacht vor dem 3. Oktober 2005 hier an diesem Schreibtisch und brachte zu Ende, was eigentlich die Aufgabe von Wochen gewesen ist. Glücklich mit dem Ergebnis war ich sehr, der Abgabetermin wurde trotzdem nach hinten verschoben. Was bringt ein Buch, wenn es fertig ist, aber nicht noch einmal komplett gelesen wird.

Fehler ausbessern tat in der Tat Not. Kleine Flüchtigkeits-Dummheiten wurden richtig gestellt.

Heute nun (17. November 2005) kam ein Paket von der Druckerei. Es enthält eine ganze Anzahl von Exemplaren des fertigen Werkes, die auf Weihnachten hin an Freunde und Familie weiter gegeben werden. Viele von Euch lesen jetzt gerade diesen Text.

Freunde, schaut Euch an was passiert ist, was einige von Euch unbewußt mit fabriziert haben. Nicht jeder von Euch wird wissen, dass es Stücke im Buch gibt, die sich um ihn drehen. Seid gewiss, Lebenssituationen sind eindeutig. Wie im Vorwort geschrieben … wenn Ihr glaubt Euch erkannt zu haben, dann werdet Ihr gemeint sein.

Sehr geehrter Leser, Leser der bisher keinen Kontakt zu mir hatte, das Buch zufällig entdeckt hat und nun ließt: Vielen Dank. Jeder Kommentar wird auf ein dankbares Ohr stoßen, scheuen Sie sich nicht Kontakt auf zu nehmen. Wir alle sind Menschen. Reden wir.